Klassische Anti-Reflux-Operationen: Fundoplikatio
Die sogenannte Fundoplikation ist die älteste und weltweit am häufigsten durchgeführte Operation zur Behandlung der Refluxkrankheit.
Sie wurde bereits im letzten Jahrhundert vor fast 100 Jahren entwickelt und folgt einer einfachen Logik:
👉 Wenn der Verschlussmechanismus nachgibt, wird er mechanisch verstärkt – durch Einengung.
Das operative Prinzip
Hierzu wird der obere Anteil des Magens, der sogenannte Fundus, aus seinen natürlichen Verbindungen zu Milz und Zwerchfell gelöst. dabei müssen Gefäße und Nerven in diesem Bereich durchtrennt werden.
Anschließend wird dieser Magenanteil um die Speiseröhre "gefaltet" und dort fixiert.
So entsteht eine Art Manschette, die den Übergang zwischen Speiseröhre und Magen verengt.
Daher auch der Name: Fundoplikation (lat. plica = Falte)
Verschiedene Varianten
Aufgrund nicht immer überzeugender Ergebnisse wurden im Laufe der Zeit zahlreiche Varianten dieser Technik entwickelt.
Die wichtigsten sind:
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Nissen-Fundoplikation (360°)
vollständige Umschließung der Speiseröhre -
Toupet-Fundoplikation (270°)
teilweise Umschließung -
vordere Fundoplikation (z. B. Dor)
technisch einfacher, aber mit geringeren Langzeitergebnisse
Darüber hinaus existieren zahlreiche weitere Modifikationen (Rosetti, Hill, Belsey, Thal u. a.), die sich in Nahttechnik und Ausmaß der Umschlingung unterscheiden.
Allen Verfahren ist jedoch eines gemeinsam:
👉 Die Speiseröhre wird durch eine Magenmanschette eingeengt.
Typische Probleme dieser Verfahren
erade dieses Prinzip bringt funktionelle Einschränkungen mit sich:
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erschwertes oder unmögliches Aufstoßen
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Luftstau mit Blähungen und Druckgefühl
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eingeschränktes oder fehlendes Erbrechen
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Zwerchfell reißt wieder auf
Für viele Patienten stellt dies eine erhebliche Einschränkung im Alltag dar.
Langzeitergebnisse
Auch die langfristigen Ergebnisse sind nicht in allen Fällen zufriedenstellend:
👉 Ein Teil der Patienten benötigt erneut Säureblocker (PPI)
👉 Beschwerden können fortbestehen oder wieder auftreten
Einordnung
Diese Aspekte erklären, warum viele Ärzte trotz erheblichen Leidensdrucks Ihrer Patienten sich zunächst zurückhaltend gegenüber operativen Verfahren äußern und häufig die medikamentöse Therapie bevorzugen.
Weitere Anti-Reflux-Verfahren
Bicorn-Verfahren
Das Bicorn-Verfahren ist eine Art kleine Fundoplikation.
Dabei wird der obere Anteil des Magens so mit der Speiseröhre vernäht, dass eine doppelte („bikorne“) Gewebestruktur entsteht, die den Übergang zur Speiseröhre verstärken soll. Zusätzlich wird dann das Zwerchfell vernäht. Auch hier gelten die grundsätzlichen Einschränkungen der Umwicklungsverfahren, aber in nicht so ausgeprägter Form.
RefluxStop™
Ein neueres Verfahren mit einem anderen Ansatz.
Hier wird ein kleiner Ball in die Magenwand eingenäht und an der Speiseröhre fixiert, um die anatomische Position des Übergangs zu stabilisieren.
Der Verschlussmechanismus soll dadurch indirekt verbessert werden – ohne direkte Umwicklung der Speiseröhre.
Langzeitergebnisse liegen derzeit nur begrenzt vor.
EndoStim®
Bei diesem Verfahren wird der untere Ösophagussphinkter elektrisch stimuliert.
Elektroden werden an der Speiseröhre angebracht und über ein implantiertes Gerät gesteuert.
👉 Das System ist batterieabhängig – ein Austausch ist in der Regel nach 7–10 Jahren erforderlich.
Ein klarer, dauerhafter Nutzen konnte bislang nicht eindeutig belegt werden.
Angelchik-Prothese
Hier wird ein silikonbasierter Ring um die Speiseröhre gelegt, um den Übergang mechanisch zu verengen.
Das Verfahren wurde entwickelt, um die Fundoplikation zu vereinfachen.
Aufgrund von Komplikationen hat es heute nur noch geringe Bedeutung.
LINX®-System
Beim LINX-Verfahren wird eine Kette aus Magneten um die Speiseröhre gelegt.
Diese verstärken den Verschlussmechanismus, öffnen sich jedoch beim Schlucken.
Zu beachten:
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mögliche Einschränkungen bei MRT-Untersuchungen
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ebenfalls mechanische Einengung
Langzeitergebnisse sind unter anderem durch notwendige Explantationen eingeschränkt.
Stretta®- und Enteryx®-Verfahren
Diese Verfahren verfolgen das Ziel, die Speiseröhre von innen zu beeinflussen.
Beim Stretta®-Verfahren erfolgt eine Behandlung mit Radiofrequenzenergie, beim Enteryx®-Verfahren wurden toxische Substanzen in die Wand injiziert.
Die Idee:
👉 gezielte Gewebeschädigung führt zu Vernarbung und damit zur Verengung.
Zusätzlich kann die Nervenschädigung eine Reflux nicht mehr wahrgenommen werden.
Die Ergebnisse waren uneinheitlich; Enteryx® wurde aufgrund von Komplikationen vom Markt genommen.
TIF® (Transorale incisionless fundoplicatio)
Hier wird versucht, eine Fundoplikatio endoskopisch von innen durchzuführen.
Über den Mund eingeführte Instrumente werden Gewebefalten im Magenbereich genäht, die den Übergang verschließen sollen.
Dabei können wichtige Strukturen wie der N.vagus oder Gefäße nicht direkt eingesehen werden.
Langzeitergebnisse sind begrenzt.